Der erste Eindruck:

Die Kirche erhebt sich östlich oberhalb der Straße. Eine starke Mauer fängt die Geländestufe ab. Darum wirkt der Kirchturm besonders markant.

Die noch vorhandenen Reste des Mauerrings lassen an eine Wehrkirche denken. Der befestigte Kirchhof musste in alter Zeit bei Bedrängnis durch Feinde den Dorfbewohnern Schutz bieten. In früherer Zeit befand sich rund um die Kirche der Friedhof. Übrig geblieben sind auf der Nordseite einige Grabsteine. Zuletzt wurden hier noch Kinder beerdigt.

Die wuchtige Mauer entlang der Straße geht über in den Mauersockel für den Fachwerkbau des Frühmesserhauses.

 

Hineingebaut in den ansteigenden Berg

Von den früheren Mauertürmen ist nur noch das heutige „Torhaus“ erhalten, durch welches man noch immer von Nordwesten her in den Kirchhof gelangt.

Die Kirche selbst steht im ansteigenden Berg. In Höhe der Wandleuchten im Altarraum ist draußen bereits das Erdreich! Darum sind innen mehrmals Stufen nötig, vom Turm zum Schiff, vom Schiff zum Altarraum.

Das Hinaufsteigen, besonders in den Chorraum, ist ein Sinnbild für die innere Haltung der Menschen, die zum Abendmahl kommen:

„Die Herzen in die Höhe – Wir erheben sie zum Herren.“

 

Kirche im Mauering

Das älteste Bild unserer Kirche ist in einem Dorfplan von 1569 überliefert.

Die Kirche steht im stark ummauerten Friedhof. In der Mauer stehen Türme, Hinter dem rechten Tor ist ein Gebäude erkennbar (Vorgängerbau des  alten Schulhauses, Mesnerwohnung)

Um den Kirchturm läuft im obersten Mauergeschoß ein alter romanischer Rundbogenfries. Die Turmspitze darüber hat ein Fachwerk.

 

Fachwerkbauten sind auch die Pfarrhäuser:

Oben, außerhalb des Mauerrings das Pfarrhaus. Unten, vorne im Bild, das sogenannte Frühmesserhaus (Haus des Kaplans, der die Frühmesse zu halten hatte). Später wohnte hier der 2. Pfarrer. In der Mauer das Datum seiner Errichtung: 1474

Wie alt ist die Kirche? Sie wurde erbaut in der  spätromanischen Zeit. Ein genaues Datum ist nicht bekannt.

 

Die abgebrannte Kirche im „Pfinzingatlas“

Ein besonders wichtiges Dokument für die Geschichte unserer Kirche ist der bebilderte Atlas, den der Kartograph Paul Pfinzing schuf. In diesem befindet sich ein Aquarell vom Jahr 1591. Es zeigt die „außgebrandt Kirchen“:

Die Kirche ist ohne Dach. Die noch sichtbaren Balken sind verkohlt. Der Fachwerkturm ist so heruntergebrannt, dass man ihn nicht mehr erkennen kann.Die Kirche ist ohne Dach. Die noch sichtbaren Balken sind verkohlt.

Der Fachwerkturm ist so heruntergebrannt, dass man ihn nicht mehr erkennen kann.

Der heutige Zugangsturm, das „Torhaus“ hat Seitentürmchen, die nicht mehr vorhanden sind. Vom Frühmesserhaus gibt es erst den südlichen Teil. Das Mesnerhaus (später Schulhaus) ist wohl außerhalb des Mauerrings.

Das Pfarrhaus, an der gleichen Stelle wie jetzt, ist noch mit Stroh gedeckt.

Das Gebäude nördlich der Kirche ist ganz heruntergebrannt: „Die abgebrandte Schmid“.

Viele Häuser im Dorf waren damals abgebrannt. Sie waren wohl alle mit Stroh gedeckt.

Der neue Dorf-Herr, Jobst Friedrich Tetzel, erließ dann nicht nur eine Dorfordnung mit Feuerschutzvorschriften, er ließ auch für die Neueindeckungen eine Ziegelhütte bauen.

Die Kirche wurde im Äußeren in sehr kurzer Zeit wieder erneuert. Die alte gotische Innenausstattung aber war verloren. Wie sie aussah, wissen wir nicht.


Emporen wie „Ränge“

Beim Hineinkommen wirkt die Kirche zuerst dunkel und eng. Sie hat aber viel Platz! Zwei umlaufende tiefe Emporen und eine dritte für die Orgel wirken fast wie Ränge in einem Theater. Für kleine Theateraufführungen und Singspiele eignet sich dieser Kirchenraum besonders gut. Bei Konzerten erleben die Besucher die sehr gute Akustik.

Die tiefen Emporen waren wichtig, denn die Kirchengemeinde hat viele Außenorte. Die Familien waren kinderreich. Auf den Höfen gab es Knechte und Mägde. Sie alle hatten ihren Platz in der Kirche. Diese Zeit der großen Bevölkerung ist vorbei, doch der Kirchenbau erzählt noch davon.

Zu besonderen Anlässen sind auch heute die Emporen gut besetzt.

 

Der Taufstein

Durch den verheerenden Brand von 1591 war die gesamte Inneneinrichtung der Kirche zerstört worden. Das erste Zeichen für eine neue Inneneinrichtung war der Taufstein mit der Jahreszahl 1594. Außerdem trägt er das Wappen des Stifters, Jobst Friedrich Tetzel, die „Tetzelkatze“, verbunden mit den Wappen seiner beiden Ehefrauen Anna Groland (drei Sicheln) und Anna Schlüsselfelder (drei Schlüssel).

 

Der Taufstein steht dort, wo Längsschiff und Querschiff sich kreuzen, und damit im Mittelpunkt des Kreuzes.

In der Taufe erreicht uns Gottes Zuwendung ganz persönlich. Die Einladung zur Taufe gilt allen.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“

Jesaja 43,1

 

 

Der Altar

Der Altar ist  aus Stein. Die Altarplatte hat noch die mittelalterliche Vertiefung für eine Reliquie.

Hinter dem Steinaltar steht eine große Bildwand (Retabel). Das Kreuzigungsbild in der Mitte könnte eine (Nürnberger) Kopie eines Gemäldes von Peter Paul Rubens sein:

Auf der linken Seite sind die Freunde von Jesus versammelt: Seine Mutter und der Jünger Johannes.

Am Kreuzesstamm Maria Magdalena.

Auf der rechten Seite stehen die Feinde. Aus ihren Gesichtern ist der Hohn und Spott verschwunden. Ein fast schon umkehrendes Nachdenken hat sich eingestellt. „Der Hauptmann könnte eben gesagt haben: „Fürwahr, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

 

Die Seitentafel links: Auferstehung und Himmelfahrt Jesu

Die Wächter sind in tiefem Schlaf. Engel heben die Grabplatte hoch. Der auferstandene Herr schwebt empor, Ostern und Himmelfahrt in einem. In der Hand hält er sein Zeichen: Das Kreuz wird zur Siegesfahne.

Unten kommen die trauernden Frauen mit den Salbgefäßen zum Grab. Der Engel wird ihnen sagen: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“

Sie sagen es auch uns.

„Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.“

 

 

Die Seitentafel rechts: Wiederkunft und Jüngstes Gericht

Mit großer Kraft und in starker Lebendigkeit kommt der Herr wieder: „Siehe, er kommt mit den Wolken und es werden ihn sehen alle Geschlechter.“

Um ihn sind Vollendete, die „schon im Himmel sind“, vorn als Fürbittende Maria und Johannes.

Im unteren Bildteil Menschen in der Auferstehung, voll Erstaunen, neu bekleidet mit den „Kleidern des Heils“ vor den Flammen der Reinigung.

Die Betrachter sollen es ins Herz nehmen:

„Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“


Ganz oben leuchtet ein Sonnenstern. Das  hebräische Wort „Jahwe“ erinnert an die Gottesoffenbarung im Alten Testament.

Mose hörte den geheimnisvollen Namen: Jahwe - Ich bin, der ich bin.

 

 

 

 

 

 

Starke Prägung durch das Schloss

Die Grundherrschaft lag beim Sittenbacher Schloss und gehörte seit 1569 dem Nürnberger Patrizier Jobst Tetzel. Sein Sohn Jobst Friedrich ist der Stifter der nach dem Brand wiederaufgebauten Kirche. Er liegt im nördlichen Querhaus in einer Gruft begraben. Für ihn wurde ein Tumbengrab errichtet.

Die Deckplatte aus Marmor (geschützt durch einen Holzkasten) zeigt das Wappen von Jobst Friedrich Tetzel (Das Wappentier ist eine Katze) und die Wappen der beiden Gemahlinnen des Verstorbenen,  Schlüsselfelder (Schlüssel) und Groland (Lilie). In den Marmor ist ein liegender Ritter eingemeißelt, aus dem sich der Tetzel’sche Stammbaum entwickelt.

Da Jobst Friedrich Tetzel trotz seiner zwei Ehen kinderlos blieb und mit seinem Bruder Karl in erbitterter Feindschaft lebte, legte er seinen Besitz in der „Jobst  Friedrich v. Tetzel’schen Familienstiftung“ fest.

Die zweite wertvolle Grabplatte ist  neben dem Eingang zur Sakristei aufrecht eingemauert . Sie gehörte ursprünglich zur Gruft des Johann Jakob Tetzel (Ein Nachkomme aus der Linie des Bruders Karl Tetzel) , gest. 1688,  und seiner Gemahlin Helena v. Stauf. Diese Gruft befindet sich unterhalb des Chorraumes und ist nicht zugänglich.

Fürstlich elegante Herrschaftsempore

Die Jahreszahl 1769  über der Herrschaftsempore lässt erkennen, dass die 200-Jahrfeier der Tetzel in Kirchensittenbach Anlass für eine größere Kirchenerneuerung war: Verlegung bzw. Neuherstellung der Kanzel und der Herrschaftsempore. 

Das gotische  Gewölbe über der Herrschaftsempore trägt im Schlussstein die Wappen von Jobst Friedrich Tetzel und seiner beiden Gemahlinnen. Zwei Totenschilde an der Nordwand erinnern an ihn (gest. 1612) und seinen Vater (gest. 1575).

In den drei Fenstern der Herrschaftsempore befinden sich wertvolle Glasgemälde. Sie zeigen Wappen in Verbindung mit der bildlichen Darstellung von humanistischen Tugenden.